Naja, dachte Fietjan, zumindest das Schifferhaus und das Hafengasthaus standen noch. Ein paar Kutter lagen ja auch noch an der Pier, aber es war keiner mehr den er kannte!
Dort lagen der Angel- und der Räucherkutter und sonst nur noch die Ecke 15 und die Ecke 3 von den großen Kuttern, sonst nur die Kleinen.
Er begann zu sinnieren, wo waren sie abgeblieben die Kutter von Tische Leckband und Heidschi Buhmann, von Bartels, von Lorne Marckwart und Hotte Mahrt, von Klatt und Jagemast, von den ganzen anderen Mahrten und Jahns, von Höhmke, Wegner, Blauhut, Dühring, Klaus Lorenz und wie sie alle geheißen haben??
Fietjan wurde dabei doch sehr traurig!

An der Holzbrücke hatte sich auch alles verändert, die Siegfried- Werft und das alte Bootshaus vom Fischerverein. Nun, eine Slipanlage war ja jedenfalls noch dort, aber auch auf der Borbyer Seite gab es keinen Netzeplatz mehr und das große Eckhaus von der Gäthjestrasse war ebenfalls nicht mehr vorhanden.
Achja, so mit den schönen Blumen, der “Ringelnatter” in der Parkanlage und den schönen kleinen Booten im Binnenhafen sah es doch alles sehr nett und sauber aus!
Naja, jedenfalls das Rundsilo stand noch und das schöne Lagerhaus. Als er dann durch die Langebrückstrasse nach Hause wanderte, kamen ihm nur noch Mühle- Rau, Wäsche Mahrt, Reico und das Sieksche Kontorhaus bekannt vor. Auch an die linke Seite der Ottestrasse und des Hafenganges konnte er sich leicht erinnern.
Jetzt wollte er aber erst mal nach Hause, schön zu Mittag essen und sich eine Stunde hinlegen.

Als er dann wieder munter war, schlenderte er erst mal herunter an den Dang. Dort suchte er sich eine Bank aus, setzte sich und beguckte sich mit einem lächelndem Gesicht die jungen Mädels, die mit bloßem Busen im Sand lagen....
Oh, wie hat die Zeit alles verändert, dachte er:
Früher saßen die Frauen in ihren graublauen Kittelschürzen oder in ihren rosafarbenen Unterkleid am Dang. Badeanzug, nein, so was besaßen die meisten nicht. Die Mädchen hatten meist ihre Turnhose aus schwarzem dicken Stoff und ein Unterhemd an und die Jungens trugen selbstgestrickte Badehosen.
Und wie stellten sich alle beim Umziehen an: Bei den Jungs und Männern ging es ja noch, sie wickelten sich ein Handtuch um die Hüften, mit einer Hand die eine Hose aus und die andere wieder angezogen.

Aber die Mädchen und Frauen, das war ein Akt für sich...... Es wurde sich erst einmal hingehockt und sich ein großes Handtuch oder Decke über den Kopf und den Rücken gezogen. Dann das Unterhemd über den Kopf gefummelt, was gar nicht so leicht war wenn alles nass und klebrig war. Dann mußte der Büstenhalter noch umgebunden werden. Oha, und kein Mensch durfte ein Stückchen nacktes Fleisch sehen. Dann mußte ja auch noch die Unterhose gewechselt werden. Und weil es sich nicht gehörte den Büstenhalter zu zeigen, mußten sie sich hinstellen, das große Tuch über die Schultern legen, vorne sorgfältig zu halten und dann versuchen die Hose mir all den strammen Gummibändern auszuziehen. War das geschafft, mußten sie eine trockene Hose auch noch wieder mit einer Hand anziehen. Und dabei auch noch genau aufpassen, dass niemand etwas zu sehen bekam!
Und die verdammten Bengels lagen rundherum zu gucken...
Fietjan begann leise zu lachen als er daran dachte wie sie sich gefreut haben, wenn einmal einer Frau das Tuch von den Schultern rutschte und sie etwas nacktes Fleisch zu sehen bekamen!
Achja, dachte er, es war doch eine schöne Zeit am Dang!
Aber davon erzählt Fietjan ein anderes mal......

