Nach dreiundvierzig Jahren in Amerika steigt Friedrich-Christian in Kiel in den Zug und sein Herz schlägt bis an den Hals. In einer halben Stunde ist er endlich in seinem geliebten Eckernförde.

Ganz aufgeregt sitzt er am Fenster und kann es kaum erwarten, dass sie an Gettorf vorbei sind und er sein Eckernförde bei Kiekut erblicken kann. Als sie im altenhofer Wald sind, hält er es nicht mehr aus, zieht das Fenster herunter und hält die Nase in den Wind.

Und dann sieht er sein Eckernförde im hellen Sonnenschein vor sich. Die blaue Bucht mit kleinen weißen Wellenkronen, die Segelschiffe und den weißen Strand. Blanke Tränen rinnen ihm an den Wangen herab und so kommt er auf dem Bahnhof an.

Aber was war das? Der Güterbahnhof steht nicht mehr und auch das alte feine Bahnhofshotel nicht! “Oha,” denkt Friedrich-Christian, “hier hat sich ja allerhand verändert!”

 

Bahnhof Eckernförde

 

Aber da kommt auch schon seine Nichte mit ihrem Sohn auf ihn zu und er wird tüchtig abgeküsst. Nein, gerne hat er so was nicht, aber es ist wohl inzwischen so üblich.

Dann fahren sie nach Hause an den Jungfernstieg und er muss erst einmal von seiner Zeit in der weiten Welt erzählen.

Das er in den ersten Jahren viel arbeiten mußte, anfangs viel Heimweh hatte und oft gehungert hat, bis er dann nach Seatle kam. Dort traf er dann ein paar plattdeutsche Leute, hat sich dort sesshaft gemacht und nach ein paar Jahren eine kleine Fischräucherei aufgebaut.

Das war sein Leben! Aber nun wollte er lieber etwas von Eckernförde hören. Gab es die Räucherei “Baasch und Schulze” noch oder “Marmelauge” (Räucherei Mangels), konnte man im Gewerkschaftshaus und bei “Acke Nulle” (Strandhotel) noch tanzen gehen, konnte man im “Eichhörnchen” und im “Mauseloch” noch einen schönen Lütt un Lütt trinken und konnte man noch frische Makrelen angeln?

Als er hören mußte, dass in Eckernförde nur noch eine Räucherei in Betrieb ist und das hier nur noch zwei große Fischkutter auf Fang gehen, das die Holzhändler Jöhnk und Timm nicht mehr existieren und fast kein Handwerker mehr in der Altstadt zu finden ist, das auf dem Exer nichts mehr los ist, am Hafen keine Fische mehr versteigert werden und das die “Ringelnatter” jetzt auf Land liegt, da wurde Fietjan doch das Herz sehr schwer!

Nunja, am nächsten Tag wollte er sich alles erst einmal richtig ansehen und sehen, an was er sich noch alles erinnern konnte.

Am anderen Morgen, nachdem er seine Tasse Kaffee getrunken und ein schönes Brötchen gegessen hatte, wollte er sich erst mal die Füße vertreten.

 

Jungfernstieg

 

Ach ja, der Jungfernstieg hatte sich sehr verändert und schön fand er es auch hier.

Er dachte an das alte Kopfsteinpfaster, an die Abwasserrinnen, die über den Gehweg in den Rinnstein flossen und an die großen Holzschuppen...... Ja, jetzt sah es doch netter aus!

Trotzdem sah er auch noch die Wäsche zwischen den Bäumen zum Trocknen hängen und mit einem Lächeln dachte er an die rosafarbenen “Schinkenbeutel” (Damenunterhosen)

Nun, langsam ging er Richtung Exer. An einige Häuser konnte er sich noch erinnern, an die Räuchrei Hopp, an das Sonnenhaus, an den Kohlenhändler gegenüber von der Ostseehalle und an Schlachter Sauer.

 

Exer

 

An Maler Spät und an Clausens Fischladen und ganz klar an das Schloss am Meer ( heute auch abgerissen) ! Hier hatte sich ja allerhand verändert, aber er sah noch ein paar Kinder wie früher hier herumtoben.......

Leider konnte er das kleine Turmhaus nicht mehr finden, aber er entdeckte das alte Bootshaus von der Bauschule am Dang. (Heute die Galerie Nemo)

Oh, was hatte es sich hier verändert! Ein feiner breiter Strand, wo früher der Netzenplatz war gab es jetzt einen Kinderspielplatz, die alten Holzschuppen waren durch niedliche Häuser ersetzt worden und einen neuen Yachthafen gab es jetzt auch!

 

Strand

 

Verdammt, und am Hafen? Die Kohlenhandelsgesellschaft und die Schuppen für die Fischkisten waren weg. Der Netzenplatz beim Schifferhaus auch und kaum ein Fischkutter war zu sehen. Klar, die großen Segelschiffe gefielen ihm auch, aber er hatte sich so auf die Kutter gefreut!!!

Und noch etwas fiel ihm auf, er hatte bis jetzt noch keinen Mann mit einer Eckernförder-Mütze gesehen und plattdeutsch hatte auch noch keiner gesprochen.

Nun, was Fietjan weiter erlebt, könnt ihr nächstes Mal lesen.